Eindrücke und Gedanken

Virtueller Kongress BPW International (General Assembly) 21. bis 30. März 2012

Der 1. Virtuelle Kongress von BPW International ist technisch sehr gut verlaufen. Menschlich belastete leider ein seit drei Jahren herrschender offener Konflikt die Arbeit.

Abstimmungen

169 stimmberechtigte Delegierte (11 Vorstandsmitglieder, 7 Past Presidents und 121 Delegierte aus 38 „Federations“ (Länder) nahmen an den 11 Kongresstagen teil. Rund 62 BPW-Frauen aus aller Welt registrierten sich als Beobachterinnen oder Observers und verfolgten das Geschehen täglich 3 bis 4 Stunden virtuell.

Die neu gewählte internationale Präsidentin Dr. Catherine Bosshart (4. Schweizerin in diesem Amt), will den Verband wieder in eine konstruktive Arbeitskultur führen, davon zeugen ihre Fähigkeiten und ihr Internationales BPW Thema 2021-24 „Neue Aktivitäten durch Zusammenarbeit“.

Die neuen Medien, sprich Video-Inputs, wurden von vielen Chargenträgerinnen und Kandidatinnen genutzt. Der gewählte Vorstand und die Standing Committee Chairs werden auf der Website vorgestellt und ebenso alle Award Gewinnerinnen.

Aufgrund des reduzierten Zeitbudgets, bedingt durch die virtuelle Durchführung des Kongresses, wurden alle für BPW nicht „lebensnotwendigen“ eingereichten Resolutionen und „Amendments to the Constitution“ zurückgestellt. Sie werden am nächsten Kongress behandelt. 

Hingegen unterstützt BPW International an jedem Kongress eine Anzahl von Resolutionen, die von Mitgliedländern an jedem Kongress zu allgemeinen Frauenanliegen eingereicht werden. Sie wurden in einem kurzen Zeitfenster verabschiedet und dienen einigen Ländern als politische Instrumente in der Zusammenarbeit mit der Regierung und anderen Organisationen, welche sich für die rechtliche Gleichstellung von Frau und Mann einsetzen.

Komplexer internationaler Verband

Als ich 1991 meinen ersten internationalen Kongress in Nairobi besuchte, war ich ausserordentlich beeindruckt wie gut der Kongress parlamentarisch organisiert war. Sowas hatte ich zuvor in der Zusammenarbeit mit Frauen noch nie erlebt und daher auch nicht erwartet. Als Rosmarie Michel (Internationale Präsidentin von 1983-1985) mir später Kongress-Programme aus dem Nachlass von Elisabeth Feller übergab (Internationale Präsidentin von 1959-1962), staunte ich, wie professionell die Geschäftssitzungen bereits am 1. Kongress 1930 (Gründungs-Kongress) in Genf organisiert waren. Trotz bester Unterlagen verstand ich die Kongressgeschäfte in all ihren vielfältigen Zusammenhängen jedoch nicht. Den internationalen Verband, seine Akteurinnen und seine Bedürfnisse zu kennen, erfordert viel sorgfältige und langjährige Beobachtung. Menschliche Verhalten sind in einem ehrenamtlich arbeitenden Umfeld überraschend anders als in der Salär-Arbeit.

Workbook und Reports

Im 300 seitigen Workbook sind unter anderem die Reports der Vorstandsmitglieder und weiterer Chargenträgerinnen gesammelt. Als erfahrene BPW kennt man die Herausforderungen des Verbandes, die in den Reports oft nur am Rande erwähnt werden, weil diese vorab Positives berichten wollen. Zwischen dem Erkennen von Herausforderungen und den konkreten Lösungen liegen in ehrenamtlich arbeitenden Organisationen mit beschränkten Amtszeiten oft Welten. Die neuen digitalen Möglichkeiten beeinflussen unser Netzwerk sehr. Diese massgeschneidert und intelligent zu nutzen ist eine grosse Aufgabe. 

Finanzen und fehlende Kongress Abrechnung 2017

Eine erstmalig aufgetretene Tatsache, nämlich die nicht abgelieferte Kongress Abrechnung 2017, die neben den Verbandsfinanzen separat geführt wird, belastete die Amtszeit 2017-2021 ausserordentlich. Statuarische Pflicht der betroffenen Immediate Past President und der Immediate Past Finanz Officer ist es, die Kongress-Abrechnung ein Jahr nach dem Kongress abzuliefern. Stattdessen attackierte eine Gruppe um die Verantwortlichen immer wieder die damals amtierende Präsidentin Amany Asfour, wahrscheinlich mit dem Ziel von der nicht abgelieferten Kongressabrechnung abzulenken. Wegen der vielen Geschichten und Behauptungen rund um die nicht abgelieferte Kongress Abrechnung habe ich mir die Zeit genommen, die angezweifelten Rechnungen des Congress Organizer detailliert zu prüfen. Da ich die Organisation des internationalen Kongress in Luzern geleitet habe, kenne ich die Art der anfallenden Ausgaben, und muss sagen, dass alle Rechnungen des Congress Organizers in Kairo korrekt und angemessen waren. Als Grund für die nicht abgelieferte Kongress-Abrechnung und einen nicht bezahlten Restbetrag von rund 190‘000 US$ vermute ich ein Defizit, von welchem abgelenkt werden sollte. 

Dank der vom Internationalen Board angenommenen Motionen konnte 2021 der noch geschuldete Betrag dem Congress Organizer überwiesen werden. Dieser hat in der Folge seine Klage vor Gericht zurückgezogen.

Die nicht abgelieferte Kongress-Abrechnung 2017 und die noch nicht überschriebenen Kongress-Bankkonten, waren kein Kongress-Thema. Die Fähigkeit das Thema sachlich zu bearbeiten war nicht gegeben. Doch die Angelegenheit wird in dieser neuen Amtszeit von verbandsexternen Fachleuten bereinigt.

Die von einer Gruppe immer wieder angegriffenen BPW International Verbandsfinanzen der Amtsperiode 2017-2021 wurden verlässlich geführt und sind absolut korrekt. 

Mitglieder

Die jährliche Erhöhung des Mitgliederbeitrages wurde gestoppt. Stattdessen sollen Mittel über Sponsoring eingeholt werden. Da ein neues „PILOT-Tool“ die Titel der Projekte der Länder und Clubs sammelt und ordnet, verfügt BPW International erstmals über einen umfassenden Leistungsnachweis, welcher für ein systematisches Sponsoring unerlässlich ist

Jede Federation und jeder Club werden gebeten die Titel ihrer Projekte auf https://www.bpw-cfprojects.org/registration/  online zu registrieren.

Die Zahl unserer Mitglieder schwankt sehr stark von Land zu Land, unabhängig von der Zahl seiner Einwohner. 2005 hatte BPW Switzerland, im Verhältnis zu seinen Einwohnern, am meisten Mitglieder, war also das Land mit der besten Leistung. Das Land mit der höchsten Mitgliederzahl hingegen war lange Zeit und ist bis heute Italien. Die neu gewählte Vize Präsidentin für Membership, Dr. Giuseppina Seidita, plant die Statistiken nachzuführen. Es ist wichtig zu wissen, welche Regionen und Länder gut arbeiten und wo es noch sehr viel Potenzial gibt.

Ernsthafte ehrenamtliche Arbeit ist anspruchsvoll

Die BPW Arbeit zwang mich immer wieder mit menschlichen Verhalten umzugehen, denen ich mich in der bezahlten Berufsarbeit nicht ausgesetzt hätte. Verglichen mit der Berufsarbeit reagieren im ehrenamtlichen Umfeld viele Menschen spontaner, ja ehrlicher. Damit konstruktiv umgehen zu können, ist eine Kunst, die überraschenderweise erstaunlich positive Früchte trägt. Solche Erfahrungen bringen persönliche emotionale Reife, wie ich sie nicht für möglich gehalten hätte. Intellektuelles Lernen ist im Verband auch gefragt, doch wer auch emotional lernen möchte, ist in einem BPW Führungsamt am richtigen Ort. 

Dank

Ein Kompliment den beiden schweizerischen „Time Keeperinnen“, Ursula Schmid und Elisabeth Sele. Sie haben ihre Aufgabe mit Bravour bewältigt.

Allen BPW, die sich für den Verband engagieren, ein grosses Dankeschön.

Antoinette Rüegg

Past International President 2002-2005

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